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12.8.2012: General Information Nachruf: Ruedi Häberli Wichtig ist nicht nur der Weg, sondern auch das Ziel, nämlich die hier und jetzt anwendbaren, überzeugenden und damit nützlichen Beiträge zum nachhaltigen Handeln. Dr. Rudolf Häberli (1940-2012). Ende Juli 2012 erreichte uns die traurige Nachricht über den Tod von Rudolf Häberli, Dr. sc. tech. ETH Zürich. Völlig unerwartet stand Ruedis Herz bei seiner Lieblingsbeschäftigung in den letzten Jahren, dem Reiten im Jura, plötzlich still. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im bernischen Münchenbuchsee war Ruedi Häberli von klein auf mit der Natur, den Tieren, dem Boden und der Umwelt eng verbunden. Nach dem ETH-Studium als Agraringenieur und seiner Dissertation über Bodentypen im Kanton Waadt, sammelte er berufliche Erfahrungen beim Einsatz für ein Schweizer Ingenieurunternehmen in Nordafrika. Danach trat er ins neugegründete Bundesamt für Raumplanung ein, wo er sich u.a. mit der Frage des Kulturlandverlustes in der Schweiz beschäftige und das Projekt einer gesamtschweizerischen Bodeneignungskarte erfolgreich abschloss. Anschliessend war Ruedi Häberli von 1985 bis 1991 Programmleiter für den Schweizerischen Nationalfonds. Er betreute und prägte das Nationale Forschungsprogramm (NFP) 22 Nutzung des Bodens in der Schweiz. Die von ihm initiierte Synthese des NFP 22 ist zusammengefasst im Schlussbericht Boden-Kultur / Laffaire sol (1991, vdf) und wurde zu einem Standardwerk. Die Vorschläge für eine haushälterische Nutzung des Bodens in der Schweiz haben bis heute nichts an ihrer Aktualität und politischen Brisanz eingebüsst. Ab 1992 übernahm Ruedi Häberli die Programmleitung des auf zehn Jahre angelegten Schwerpunktprogrammes Umweltforschung und Umwelttechnologie, kurz SPP Umwelt. Mit Überzeugungskraft, Ausdauer und gestärkt durch die positiven Erfahrungen des NFP Boden setzte sich Ruedi Häberli als Programmleiter dafür ein, dass neben den Forschungsprojekten für Synthesearbeiten und die methodische Reflexion des Forschungsprozesses, genügend Mittel und geeignete Gefässe zur Verfügung standen. Dies zeigte dann auch seine Wirkung: So erschien z.B. zum Abschluss des SPP Umwelt das Synthesebuch Vision Lebensqualität. Nachhaltige Entwicklung: ökologisch notwendig, wirtschaftlich klug, gesellschaftlich möglich / Objectif Qualité de la vie. Développement durable: Une exigence écologique, une stratégie économique, un processus social (vdf, 2002). Und in Bezug auf die methodische Reflexion lässt sich festhalten, dass das SPP Umwelt wesentlich dazu beigetragen hat, die transdisziplinäre Forschungsmethodik in der Schweiz zu etablieren. Höhepunkt und Katalysator war dazu im Frühjahr 2000 an der ETH Zürich eine dreitägige internationale Konferenz mit rund 800 Teilnehmenden aus 50 Ländern. Die Transdisciplinarity Conference stellte in forschungsmethodischer Hinsicht eine Syntheseleistung des SPP Umwelt dar. Die eingereichten Beiträge und Ergebnisse sind in Publikationen dokumentiert (Rudolf Häberli, Roland Scholz et al. (Eds.): Workbook I: Dialogue Sessions and Idea Market, Zürich, 2000; Roland Scholz, Rudolf Häberli et al. (Eds): Workbook II: Mutual Learning Sessions, Zürich, 2000; Julie Thompson Klein et al. (Eds.): Transdisciplinarity: Joint Problem Solving among Science, Technology, and Society, Post Conference Book, Basel 2001). Das td-net der Akademien Schweiz ist in der Folge aus dem SPP Umwelt hervorgegangen. Die Internetadresse www.transdisciplinarity.ch konnte die Programmleitung SPP Umwelt damit dem td-net überlassen. Als Bergfreund setzte sich Ruedi Häberli hohe Ziele und wollte Gipfel erklimmen. Viele davon erreichte er auch dank seinem starken Willen. Wichtig war ihm dabei stets der Weg zum Ziel - Ce nest jamais acquis! wie er zu sagen pflegte - der fortwährende Prozess - sei es bei der Transdisziplinarität oder bei der Synthesearbeit. Er zeigt uns, dass das miteinander - wie bei den Bergtouren - wichtige Voraussetzung ist für das gemeinsame Vorankommen und Weiterentwickeln. Er lebte das vor und forderte das auch von den Forschenden ein. Dabei befand sich Ruedi Häberli häufig in der Rolle des Pioniers. Er war oft einer der ersten, die einen neuen Weg einschlugen. Das reizte ihn und das forderte ihn - und sein Umfeld. Prägend für ihn waren die Thesen zur Transdisziplinarität von Prof. Jürgen Mittelstrass, welche er ab Mitte der 1990er Jahre in seiner Arbeit einfliessen liess und praktisch umzusetzen begann. Widerstände - wie auch Aufstiege und Umwege - schreckten Ruedi Häberli nie ab. Sie gehören dazu, um weiter zu kommen. Mit verve kämpfte für die von ihm als richtig und wichtig erkannte Sache. Eindrücklich wie er mehr Mut für den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft und auch für die stärkere Verankerung und die Entfaltung der Transdisziplinarität einforderte. Ruedi Häberli war ein mutiger Mensch, der durch sein Beispiel und seine Projekte auch anderen Mut machte sich einzusetzen. Transdisziplinarität und Synthesearbeit waren dabei für ihn nie Selbstzweck. Er zeigte, dass beides vielmehr Instrumente dazu sind, um anderen Menschen den Zugang zu Wissen zu verschaffen und Grundlagen für ihr Handeln und das gegenseitige Lernen zu bieten. Er glaubte an das Lernen, das individuelle und das gesellschaftliche Lernen - gerade auch in der akademischen Welt. Er war zutiefst überzeugt davon, dass es ein stetes Bemühen, wo nötig ein Beharren und ein engagiertes Kämpfen für die Sache braucht, um im Leben weiterzukommen - ce nest jamais acquis! Nach Abschluss seiner Berufstätigkeit widmete sich Ruedi Häberli voll und ganz seiner neuen Passion den Pferden und dem Reiten. Dabei hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Er bleibt denen, die ihn kannten, lebhaft in Erinnerung. Eines seiner Ziele im Leben war es, durch seine Taten, Spuren zu hinterlassen. Ruedi Häberli ist konsequent. Durch die Art und Weise wie er von uns gegangen ist, hat er uns seine letzte Botschaft hinterlassen: Das Leben ist immer JETZT - es gibt niemals ein später. Walter Grossenbacher-Mansuy, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und stv. Programmleiter 1994-2001, SPP Umwelt Nachruf (engl.) von Julie Thompson Klein, past president of the Association for Integrative Studies (AIS) back to list |
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