Bericht zur Verleihung des Prix Média 2009

Wissenschaftliche Meldungen überprüfen, aber bei wem?

bk) Welche Ansprüche haben die Wissenschafter an die Medien? Und was hätten die Medien gerne von den Wissenschaftern? Um diese Fragen drehte sich am 25. November in Bern das Inputreferates von Lyn Evans (Leiter des Teilchenbeschleuniger-Projekts im CERN) und die anschliessende Diskussion mit den Medienschaffenden im Rahmen der Preisverleihung des Prix Média.

Vor gut einem Jahr wurde der neue Teilchenbeschleuniger des CERNs in Genf kurz nach Eröffnung wieder abgeschaltet. Das Interesse der Öffentlichkeit war gross und Lyn Evans, zuständig für das Projekt, stand im Zentrum des medialen Interesses. Die Bandbreite der Fragen variierte beachtlich. Während sich die einen nach dem Ausmass dieser Katastrophe erkundigten, wollten andere wissen, ob ein französisches oder ein schweizerisches Baguette für den Ausfall verantwortlich sei.

Die Art der Berichterstattung variiert beachtlich

Unbestritten ist das Interesse der Medien an der Wissenschaft hoch. Es gibt aber massgebliche Unterschiede in der Art der Berichterstattung. Während die einen sich in erster Linie für eine Sensation interessieren, setzen andere fundierte Recherchen ein. Die Beziehung zwischen Medienschaffenden und Wissenschafter war Thema des Inputreferats von Lyn Evans und der anschliessenden Diskussion mit den anwesenden Journalisten im Rahmen des Prix Média.

Forschende haben oft ein Informationsmonopol
Braucht es eine Sensation, damit eine wissenschaftliche Meldung in den Medien aufgenommen wird? Zumindest muss es eine Meldung sein, die das Publikum in irgendeiner Weise betrifft. Es braucht eine Geschichte dazu. Angeprangert wurden aber jene Journalisten, die eine Sensationsmeldung übernehmen, ohne den Wahrheitsgehalt zu verifizieren. Eine Überprüfung bei Wikipedia reicht nicht aus. Schon zu oft gingen Falschmeldungen, die auf Fehleinträgen bei Wikipedia beruhten, um die Welt. Evans forderte, dass sich Journalisten direkt bei den Forschenden erkundigen. Der Journalist Beat Glogger wendet ein, dass Forschende häufig ein Informationsmonopol haben. Die Journalisten können folglich die Richtigkeit der Aussage nicht mit anderen Quellen belegen. Zudem sind sie davon abhängig, dass der Forscher seine Erkenntnisse verständlich erklären kann. Das braucht Zeit auf beiden Seiten Zeit, um zu erklären und zu verstehen. «Könnte man Informationen zu wissenschaftlichen Projekten nicht vermehrt via Medienmitteilungen oder Blog und Twitter verbreiten?» «Meist sind viele Forschende an einem Projekt beteiligt, viele müssen also ihr Einverständnis geben. Das dauert ebenfalls lange», erklärte Evans.

Prix Média
Zumindest einige Journalistinnen und Journalisten haben es 2009 geschafft, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge einfach zu vermitteln: Im Anschluss an die Diskussion mit Lyn Evans wurden der Prix Média der Akademien der Wissenschaften Schweiz vergeben.
 

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