Katharina Bochsler

Gewinnerin des Prix Média 2011 (Geistes- und Sozialwissenschaften)


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Ausgezeichnet für:
«Die anderen Geschlechter – Leben mit dem Phänomen Intersexualität», 20. und 21. Oktober 2010, Sendung «Kontext» SR DRS2 Beitrag hören

Wir alle haben vermutlich schon als Kind zum ersten Mal davon gehört, wenn auch hinter vorgehaltener Hand: Jener Klassenkamerad sei ein «Zwick», das Nachbarsmädchen in Wahrheit eher Bub als Mädchen, ein «Zwitter» eben. Doch über Geschlecht und Geschlechtszugehörigkeit zu sprechen, unterliegt immer noch einem Tabu. Das Wissen über das Sein zwischen Geschlechtern, über Intersexualität reicht daher auch heute kaum über das Niveau oberflächlicher Alltagsweisheiten hinaus. Und wo geschwiegen wird, wo man wegschaut, tut sich Raum auf für unethisches Handeln.
Mediziner haben sich während Jahrzehnten an der Therapie von intersexuellen Menschen versucht, teilweise in sehr fragwürdiger Art und Weise. Nicht selten auch auf Wunsch der Eltern. Und die betroffenen Kinder?  Sie sind kaum zu hören. Erst seit kurzem wagen sich einige wenige erwachsene Intersexuelle an die Öffentlichkeit. Sie berichten über ihre verlorene Kindheit, über das Aufwachsen im Schweigen, über das intensive Gefühl nicht in Ordnung zu sein. Dass da unten, in der Körperregion, über die niemand spricht, irgendetwas falsch ist. Dass da die Ärzte und Eltern sind, die das Kind zum «richtigen» Mädchen oder zum «echten» Jungen machen wollen. Was bleibt, ist in vielen Fällen das Gefühl der Versehrtheit oder gar der Verstümmelung.
Allmählich zeichnet sich eine Trendwende ab, warten Ärztinnen und Ärzte mit dem Operieren zu, erhalten Eltern Unterstützung und die Kinder Zeit, um ihre individuelle Geschlechtsidentität zu entwickeln. Doch noch immer ist Intersexualität ein ungeklärtes Phänomen – medizinisch und sozial. Denn warum sich Föten intersexuell entwickeln und weshalb wir uns derart schwer tun mit geschlechtlicher Uneindeutigkeit, ist in weiten Teilen ein Rätsel. Die vorliegende Sendung  versucht das aktuelle Wissen und das Nichtwissen über Intersexualität abzubilden.

Biographie: Studium der Psychologie, Psychopathologie, Germanistik und Religionswissenschaften. Abschluss des Germanistikstudiums 1996 mit einer Dissertation über Nahtodeserlebnisse und Jenseitswanderungen mittelalterlicher VisionärInnen; 2009 Master of Science in klinischer Psychologie.
Hauptberuflich journalistisch tätig seit 1991 für Schweizer Radio DRS, davon die ersten 15 Jahre in der Politberichterstattung. Mitglied des Gründungsteams der vor fünf Jahren neu aufgebauten Wissenschaftsredaktion von Schweizer Radio DRS. Spezialgebiete: Psychologie, Anthropologie, Neurowissenschaften, Systemtheorie, Raumfahrt und Kosmologie.
Quantitative Forschung zur Bedeutung von Patientenerwartungen wie Hoffnung und Furcht auf das Psychotherapie-Ergebnis. Mitarbeit an Forschungsprojekten im Bereich der Psychologie, Prophylaxe und Psychotherapie sowie Leitung von Trainingsgruppen im Bereich Emotionsregulation und Achtsamkeit.

 

Preisverleihung 2011

Der Prix Média wird am Freitag, 25. November 2011, in Zürich verliehen. Sie können sich hier anmelden.

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