Workshop Medical Humanities IV

«Auf der Suche nach dem Ganzen in der Medizin – der Beitrag der Philosophie»


(ms) Am 24. März fand in Bern der 4. Workshop der Akademien der Wissenschaften Schweiz zu den Medical Humanities statt. Gut siebzig Teilnehmende diskutierten den Beitrag der Philosophie für die Medizin. Spezialisten aus der Praxis und der Philosophie stellten sich die Frage, ob philosophische Kenntnisse eine umfassendere Sicht des Einzelnen ermöglichen und ob dies in der medizinischen Praxis erwünscht ist.

Rund um den Namen «Medical Humanities», wächst eine wissenschaftliche Gemeinschaft mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Interessen sind vielfältig, aber die versammelten Spezialisten aus Medizin und Human- und Sozialwissenschaften haben das gemeinsame Ziel, zur Verbesserung des medizinischen Systems beizutragen.

Gesundheit als soziale Konstruktion

Dr. Bertrand Kiefer betonte, dass die Gesundheit als soziale Konstruktion zu verstehen ist und nicht einfach Zustand und Ziel umfasst, sondern vielmehr einen Weg darstellt, um sich seiner Umgebung anzupassen und sie nach seiner Absicht zu formen – nach Canguilhem der Zustand, in dem der Mensch am meisten sich selbst sein kann. In der Praxis stellt sich die Frage, in welchem Moment die Krankheit auftritt; eine Schwelle, die nicht von der Medizin definiert wird, sondern eher ein Werturteil über Gesundheit und Krankheit darstellt. Krankheit wird als integraler Bestandteil der Gesundheit angesehen. Prof. Christiane Schildknecht sprach sich dafür aus auf die Idee einer «normalen Gesundheit» zu verzichten. Die Philosophie fängt die qualitativen Zustände ein und diskutiert die innere Perspektive der Person, wodurch eine ganzheitliche Sicht des Menschen ermöglicht wird, nützlich in der Medizin.

Selbstwahrnehmung

Offensichtlich ist die Selbstwahrnehmung von zentraler Bedeutung für die Gesundheit und die Krankheit. Dr. Andreas Cremonini regt eine philosophische Reflexion zu diesem Thema an. Ein aktueller Trend besteht sicherlich darin, zu versuchen, die Phänomene des eigenen Körpers durch deren Quantifizierung und die anschliessende Deutung der quantitativen Daten zu erklären; mit dem letztlichen Ziel, Krankheiten zu verhindern und die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelnen zu erhöhen. Trotz aller dieser Bemühungen haben die Menschen eine unvollständige und bruchstückhafte Wahrnehmung von sich selbst, teilweise sehr subjektiv, aber objektiv vollständig durch die Maschinen bestimmt.

Implikationen für die medizinische Praxis
Die Frage der Beteiligung der Philosophie an der medizinischen Praxis ist nach wie vor schwierig. Auf dem Gebiet der Psychiatrie steht die Selbstwahrnehmung offensichtlich im Zentrum der Arbeit der Ärzte. Die Experten am Runden Tisch sind sich einig, dass es eine Beziehung gegenseitigen Austauschs sein sollte. Praktische Philosophie kann als Orientierungshilfe im täglichen Leben dienen. Der Schlüssel liegt sicherlich in der Fähigkeit, spezifische Fragen zur Medizin zu stellen und die Philosophen im Nachdenken über diese Fragen zu integrieren.

(aus dem Französischen übersetzt von Christoph Junker)

 

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