Koproduktion von Wissen

Gesellschaftliche Probleme sind komplex und stets an einen spezifischen Kontext gebunden. Forschungsergebnisse oder das Wissen und die Aktivitäten gesellschaftlicher Akteure alleine reichen selten aus um Lösungen zu erarbeiten, die der Komplexität und Diversität der Probleme gerecht werden. Zentral ist deshalb das gemeinsame Erarbeiten von Wissen durch Forschende verschiedener Disziplinen und Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft resp. Staat. Diese gemeinsame Analyse und Erarbeitung von Zielen und Massnahmen zur Lösung nennen wir die Koproduktion von Wissen. «Ko-» steht dabei für kollaborativ, bzw. für das Zusammenarbeiten.

In transdisziplinärer Forschung, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beiträgt (mehr dazu), greifen in der Koproduktion von Wissen zwei Prozesse ineinander: Ein wissenschaftlicher Prozess der Wissensproduktion und ein gesellschaftlicher Prozess der Problembearbeitung (mehr dazu) [1-4].
 

Abbildung 2: Der transdisziplinäre Forschungsprozess verknüpft die wissenschaftliche Wissensproduktion mit der gesellschaftlichen Problemlösung in einem Prozess der Koproduktion von Wissen. Dieser Prozess umfasst drei Phasen: Problemframing (Problemidentifikation und -strukturierung), Problembearbeitung und In-Wert-Setzung der Ergebnisse [1-4].


 
Der transdisziplinäre Forschungsprozess umfasst drei zentrale Aufgabenbereiche:
  • Problemframing (Problemidentifikation und -strukturierung),
  • Problembearbeitung und
  • In-Wert-Setzung.
Die drei Bereiche entsprechen im Forschungsprozess keiner linearen Abfolge sondern verlangen in der Regel ein rekursives Vorgehen:

"Transdisciplinarity implies that the precise nature of a problem to be addressed and solved is not predetermined and needs to be defined cooperatively by actors from science and the life-world. To enable the refining of problem definition as well as the joint commitment in solving or mitigating problems, transdisciplinary research connects problem identification and structuring, searching for solutions, and bringing results to fruition in a recursive research and negotiation process. Transdisciplinarity thus dismantles the traditional sequence leading from scientific insight to action" [5, p436].

Im Unterschied zur Grundlagenforschung und zur angewandten Forschung ist der intellektuelle und zeitlich-finanzielle Aufwand v.a. des Problemframings und der In-Wert-Setzung deutlich grösser.

Das Konzept der Koproduktion von Wissen wurde für transdisziplinäre Forschung als Beitrag zur Problemlösung entwickelt. Inwiefern es auch für die anderen Zwecke hilfreich ist, ist noch genauer zu ergründen.

Literaturverzeichnis
  1. Bergmann, M., et al., "Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung - Ein Leitfaden für die formative Evaluation von Forschungsprojekten", in ISOE Studientext. 2005, Institut für sozial-ökologische Forschung: Frankfurt am Main. p. 76.
  2. Pohl, C. and G. Hirsch Hadorn, Gestaltungsprinzipien für die transdisziplinäre Forschung - Ein Beitrag des td-net. 2006, München: oekom.
  3. Jahn, T., M. Bergmann, and F. Keil, "Transdisciplinarity: Between mainstreaming and marginalization". Ecological Economics, 2012. 79(0): p. 1-10.
  4. Pohl, C., "What is progress in transdisciplinary research?" Futures, 2011. 43: p. 618-626.
  5. Wiesmann, U., et al., "Enhancing Transdisciplinary Research: A Synthesis in Fifteen Propositions" in Handbook of Transdisciplinary Research, G. Hirsch Hadorn, et al., Editors. 2008, Springer: Dordrecht. p. 433-441.
 
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